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Man nehme einen alten, renovierungsbedürftigen Schweinemaststall und setze einen großen Vorschlaghammer an. Aus den neu entstandenen Löchern kommen Tiere, die es genießen unter freiem Himmel Gras zu grasen und mit dem Rüssel tief im Matsch zu buddeln, um an Schmackhaftes zu gelangen. Die selten gewordene Freilandhaltung hat in Hombergshausen wieder Einzug gehalten.

Mit der Tierfairbrik befindet sich der Hof, der über die Jahre durch Industrialisierung in der Landwirtschaft zu einem reinen Ackerbaubetrieb geworden war, nun wieder im Wandel. Auf einen Bauernhof gehören Tiere. Am liebsten allerhand verschiedener Arten und am liebsten mit viel Auslauf und Bewegungsfreiheit. Unsere Schweine machen den Anfang und leben rund um den alten Maststall, wollen ungern vor 10h morgens geweckt werden. Von der Ferkelaufzucht bis zum schlachtreifen Schwein vergeht auf dem Hof rund 1 Jahr. Im Stall gibt es viel Stroh zum liegen und fressen. Neben Grünfutter, Futterrüben, Fallobst und allerhand unter der Erdoberläche Erwühltem gibt es Schrot aus Getreide, Bohnen und Erbsen. Bei der Futterwahl ist uns neben der Qualität vor allem die Regionalität wichtig. Unser Eiweißfutter stammt vom eigenen Betrieb oder aus der Nachbarschaft, ohne Gentechnik!

Die Tierfairbrik leistet einen Beitrag zu mehr Bewusstsein. Wie leben Tiere in Gefangenschaft, um irgendwann auf unserem Teller zu landen? Wir merken, dass es einem durchaus schwerer fallen kann Fleisch von Tieren zu essen, die man vor gar nicht allzu langer Zeit noch tobend im Schweinsgalopp über Felder hat laufen sehen, anstatt anonymem Fleisch aus dem Supermarkt. Hört sich paradox an, ist aber eigentlich gut nachvollziehbar. Das scheinbar glückliche Tier unter freiem Himmel tut einem Leid, wenn man es sich geschlachtet am Haken hängend vorstellt. Zu dem abgepackten Fleisch aus der Kühltheke des Discounters hat man keinen Bezug, kann weder erahnen wie das Tier einmal gelebt hat, noch ein schlechtes Gewissen zu seinem Fleischkonsum entwickeln. Teilweise sieht man gar nicht in industriell verarbeiteten Produkten, dass dafür einmal ein Tier gestorben ist. Inhaltsstoffe sind austauschbar. Also könnten wir auch genauso gut einen Lupinenbratling essen anstatt etwas Fleischhaltiges in den Toaster stecken – Don`t call it Schnitzel!

Lasst uns Fleisch das Gesicht geben, das es einmal hatte und unsere Ernährungsweise hinterfragen. Essen wir nicht alle eh viel zu viele tierische Lebensmittel? Können wir uns Fleisch aus artgerechter Tierhaltung überhaupt leisten? Ja, wenn wir weniger davon essen, können wir beim Schweinebraten zum Festtag dann auf Herkunft, Haltungsform und Fütterung achten, anstatt auf den Preis.

Es geht nämlich leider meistens ums Geld. Nicht nur beim Verbraucher, sondern auch beim Erzeuger. Er muss davon leben können, sich die Mehrarbeit für mehr Tierwohl „leisten“ können. Hört sich nicht sonderlich romantisch an, ist aber auch ein Argument von zu wenig arbeitsintensiver Freilandhaltung. Das macht dann das Tier, den Erzeuger und den Verbraucher glücklich.

Wir leben in einer absoluten Überflussgesellschaft, in der Lebensmittel einen viel zu geringen Stellenwert einnehmen. Wir haben die Möglichkeit uns gesund und ausgewogen zu ernähren, doch unser innerer Schweinehund hat oft etwas dagegen. Besuche auf einem Bauernhof, wo ich zufriedene Tiere sehen kann, können einem viel Erdung verleihen. Ein Besuch in Hombergshausen entschleunigt ungemein. Kein Handyempfang und viele entspannte Menschen auf einem Hof, der erst am Anfang seiner Entwicklung steht.

Herzlich Willkommen in der Tierfairbrik!